Bücher in deutscher Sprache

1. Grundlegung der Islamologie als Alternative zur traditionellen Islamwissenschaft

Es nervt mich jedes Mal, wenn ich lese, dass ich ein Islamwissenschaftler sei und mehr noch, dass ich in der deutschen Islamwissenschaft umstritten sein soll. Wie oft habe ich in den vergangenen drei Jahrzehnten in Wort und Schrift dem Volk der Dichter und Denker in klarer deutscher Sprache erklärt, dass ich Islamologe und kein Islamwissenschaftler bin. Unter dem Stichwort Islamologie bei Wikipedia ist zu lesen, dass ich Begründer der Islamologie bin. Dies habe ich durch zwei Buch-Trilogien geleistet, die in den 1980er und 1990er Jahren erschienen sind.

Die von mir begründete I S L A M O L O G I E ist keine Islamwissenschaft, sondern eine neue historisch-sozialwissenschaftliche Disziplin, die eine Alternative zur philologisch-kulturwissenschaftlich dominierten Islamwissenschaft ist.  Das ist die Erklärung dafür, warum mein Name als muslimischer Sozialwissenschaftler mit der Keule „umstritten“ gelabelt wird. Wer eine knappe und bündige Erläuterung der Unterschiede zwischen Islamologie und Islamwissenschaft erfahren will, sei auf den Artikel Islamologie bei Wikipedia verwiesen. Wer jedoch mehr wissen will, sei auf die beiden Kapitel 3 und 4 in meinem Buch „Einladung in die islamische Geschichte“ (2001) hingewiesen. Die beiden Buch-Trilogien, mit denen ich die Islamologie begründet habe, sind die folgenden:

1. Trilogie

2. Trilogie
2. Islamische Zuwanderung und islamische Flüchtlinge in Europa, besonders in Deutschland

Zur Zeit leben mehr als 30 Millionen Muslime in der EU und dennoch gibt es leider immer noch keinen europäischen Islam. Diese Zahl kann sich angesichts des anhaltenden Flüchtlingsanstroms aus Nahost und dem islamischen Teil Afrikas in den wenigen kommenden Jahren verdoppeln, ja verdreifachen. Ist Europa darauf vorbereitet? Ich fürchte nicht! Ich selbst gehöre zur deutschen Islamgemeinde von zur Zeit noch fünf Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, weshalb Deutschland den Fokus der beiden folgenden Bücher bildet. Die Welt des Islam, die aus zwei Milliarden Menschen besteht, die als Mehrheit in 57 Ländern leben, ist der Bezugsrahmen auch für die in Deutschland lebenden Muslime. Klarheit über diese Thematik verschaffen meine beiden Bücher: „Der Islam und Deutschland: Muslime in Deutschland“ (Deutsche Verlagsanstalt, zwei Auflagen, 2000 und 2001) sowie „Islamische Zuwanderung. Die gescheiterte Integration“ (Deutsche Verlagsanstalt, zwei Auflagen 2002).

Diese Bücher klären auf über zwei Ebenen, die voneinander differenziert werden müssen. Erstens: das Verhältnis Deutschlands zur Welt des Islam (Deutschland und der Islam). Dieses Verhältnis geht weit in die Geschichte zurück. Zweitens die Entstehung einer deutschen Islamgemeinde (Muslime in Deutschland). Diese Gemeinde hat sich erst seit den 1960er Jahren im Rahmen der Migration formiert zuerst aus der Türkei und etabliert. Die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, muss spezifiziert werden; sie erfordert nicht nur die Vielfalt im Islam (kein Eintopfislam, welcher Islam?) zu berücksichtigen, sondern auch die angeführten beiden Ebenen auseinanderhalten.

Bis zur Entgrenzung und der globalen Migration zu Beginn des 21. Jahrhunderts bestand die deutsche Islamgemeinde seit den sechziger Jahren des 20. Jhd. überwiegend aus türkischen Einwanderern. Heute ist diese Gemeinde vielfältig und bunt. Obwohl türkischstämmige Einwanderer heute nur noch als ca. 65 Prozent der fünf Millionen Menschen umfassenden Islamgemeinde bilden, bleiben türkische Muslime das gültige Muster, wie ich in meinem Buch: „Mit dem Kopftuch nach Europa?” (Primus Verlag, 2 Auflagen 2005 und 2007) aufzeige.

Im Fernsehen sieht man Bilder der neuen Flüchtlinge aus Nahost und Afrika; sie bringen ihre Frauen mit Kopftuch mit als Symbol zivilisatorischer Abgrenzung. In Kapitel 3 des Buches „Mit dem Kopftuch nach Europa“ zeige ich, dass es einerseits integrierte türkischstämmige Muslime gibt, andererseits solche, die in Parallelgesellschaften leben und sich mit dem Kopftuch als Symbol abgrenzen. Wenn Migranten in Parallelgesellschaften leben, dann kann keine Rede von Integration sein.

 

3. Islamische Zuwanderung nach Europa, europäische Identität als Inklusion und die Parallelgesellschaft als Resultat gescheiterter Integration

Beide Djihadisten-Killer, die am 7., Januar die Hinrichtung der Journalisten in Paris vollzogen, waren algerische Muslime, die in Paris geboren worden sind und durch Umstände nicht nur zu Islamisten, sondern auch zu Djihadisten wurden. Dies und die Tatsache, dass mehrere Tausend in Europa geborene, junge Muslime in den Truppen der Bewegung „Islamischer Staat“ in Nahost kämpfen, bieten den Beweis für die These von der gescheiterten Integration. Ich bin entschieden gegen jede Ausgrenzung von Islam und Muslimen in Europa. Es kann gelingen, Muslime zu integrieren, wenn sie europäische Bürger (der Pass reicht hierzu nicht aus) werden und sie selbst ihren Islam europäisieren (Euro-Islam). Dies ist in den vergangenen 50 Jahren nicht geschehen. Dies zeige ich in meinem Buch:

Für eine Integration reichen rechtliche Einbürgerung, Sprachkenntnisse und ein Arbeitsplatz nicht aus. Integration erfordert vor allem eine Identifikation mit dem demokratischen Gemeinwesen, in dem man lebt. In Europa kann dies nur auf der Basis eines europäisierten Islam erfolgen, der dies ermöglicht. Eine genaue Ausarbeitung dieses Konzepts biete ich in meinem Abschiedsbuch:

In diesem Buch argumentiere ich für Inklusion im Rahmen eines Reform-Islam, der mit Demokratie und Pluralismus vereinbar ist und es muslimischen Migranten in Europa ermöglicht, europäische Bürger zu werden. Es kann keine Integration bei der Beibehaltung von Scharia und Djihad erfolgen.

Im Gegensatz zu meinem 30 Bücher umfassenden Werk in deutscher Sprache, das sich mit Islam und Nahost befasst, beschäftigt sich mein folgendes Buch mit Europa:

Der Schwerpunkt liegt hier auf Europa und seiner Identität im Zeitalter globaler Migration. Jene Europäer – vor allem Deutsche – die die europäische Identität verleugnen, versagen auch Migranten eine Inklusion, weil Identität eine Basis für jede Integration ist. Somit ist der Fokus hier die zivilisatorische Identität Europas. Diesen Kontinent gilt es für mich in Anlehnung an meinen jüdischen Lehrer und Ausschwitz Überlebenden Max Horkheimer, dem das Buch gewidmet ist, als „Insel der Freiheit im Ozean der Gewaltherrschaft“ zu verteidigen. Es gilt, Europa gegen jeden Totalitarismus zu verteidigen. Ich deute europäische Identität im Sinne der Aufklärung als inklusive Identität, die jedoch auf europäischer, nicht multikulturalistischer Grundlage zu vollziehen ist. Ein Euro-Islam erfüllt die Bedingungen der Inklusion, nicht aber der totalitäre Islamismus.

4. Islam und Islamismus

Die Religionsfreiheit, die das Grundgesetz gewährt, gilt für den religiösen Glauben im Islam, nicht für die politische Ideologie des Islamismus. Der Islamismus ist eine religiös-politische Richtung innerhalb des Islam, ist aber nicht der Islam selbst, wenngleich man Islamisten die Zugehörigkeit zum Islam nicht absprechen darf. Der Islam ist ein religiöser Glaube (Iman), der Islamismus dagegen ist eine politische Ideologie, die die Politik religionisiert, in dem sie unterstellt, dass der Islam die Einheit von Din wa Dawla (Religion und staatlicher Ordnung) vorschreibt. Das ist falsch. Den Islam gibt es seit der islamischen Offenbarung von 610-632, der Islamismus dagegen ist neu; er existiert erst seit der Gründung der Bewegung der Muslimbruderschaft im Jahr 1928. Dahe ist die Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus von zentraler Bedeutung. Die Geistesgeschichte des Islam ist der Inhalt meines folgenden Buches, das ich als mein Hauptwerk einordne.

In diesem Buch erkläre ich, wie der Islam im 7. Jahrhundert entstanden ist, erläutere seine religiösen Dogmen und seine Entwicklung bis zum 20. Jahrhundert. Im letzten, vierten Teil, „Die islamische Gegenwart: Die Krise“, untersuche ich die Entstehung des Islamismus als religiösen Fundamentalismus im Kontext als Antwort auf die Krise. Nochmals: Der Islamismus ist nicht der Islam, aber Islamisten sind doch Muslime, die heute eine mächtige, ernstzunehmende Richtung innerhalb der islamischen Zivilisation der Gegenwart darstellen. Und noch eine Differenzierung: Nicht jeder Islamist ist ein Djihadist. Was Islamismus genau ist, erkläre ich in folgenden drei Büchern:

Islamisten lehnen nicht nur die Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus ab, sondern auch die bestehende Weltordnung und predigen ihre eigene Ordnung, damit destabilisieren sie und schaffen weltpolitische Unordnung, die in dem angeführten Buch näher erläutert wird.

5. Der islamistische Djihadismus als Terrorismus

Der Islamismus als politischer Islam ist nicht mit Terrorismus gleichzusetzen; er besteht aus zwei Richtungen; nicht alle Islamisten sind Djihadisten. Es gibt die friedlichen Islamisten, die ich institutionelle Islamisten nenne, weil sie gemäßigt in den Institutionen arbeiten, also keine Gewalt anwenden. Die Djihadisten bekennen sich dagegen zur Gewaltanwendung. Wie der Islamismus nicht die Religion des Islam ist, so ist der Djihadismus nicht der klassische islamische Djihad. Diese grundsätzlichen Unterscheidungen sind zentral und sie werden in meinem in Harvard geschriebenen und von der Bosch-Stiftung geförderten Buch erläutert:

Darin erkläre ich geschichtlich den klassischen Djihad, der von Muslimen als Krieg mit Regeln zur Errichtung des „islamischen Weltfriedens“ unter islamischer Herrschaft geführt wurde. Im Unterschied dazu steht der Djihadismus, der als ein Terrorismus, also Gewalt ohne Regel (irregulärer Krieg) praktiziert wird. In meinem Buch

erkläre ich im Lichte von „9/11“, was Djihadismus ist und erläutere seine historischen Wurzeln (bes. Kapitel 3) in allen seinen Facetten. Wer behauptet, Djihadisten haben mit dem Islam nichts zu tun, haben sicherlich noch nie im Leben mit einem islamischen Djihadisten gesprochen.

6. Nahostkonflikt und die Auswirkungen auf Europa

Der Flüchtlingsstrom von Muslimen aus Nahost und Ostafrika (u.a. Somalia) bringt nicht nur Menschen, die Not erleiden, sondern auch Täter sowie die Probleme und Konflikte ihres Heimatlandes mit in das Aufnahmeland. Bei der Inklusion muss Europa seine Identität bewahren. Oft wird richtig argumentiert, dass der Nahostkonflikt junge, in Europa geborenen Muslime emotionalisiert und sie für den Islamismus anfällig macht. Das gilt auch für alle anderen Konflikte.

Mein Klassiker über Nahostpolitik ist der einstige Bestseller:

Über den Nahostkonflikt selbst und seine Facetten informiert mein Buch:

Die Türkei ist derzeit ein Brennpunkt von Nahost. Von den dortigen Flüchtlingslagern kommen die Flüchtlinge über die Balkan-Route nach Westeuropa (die anderen kommen aus Libyen über das Mittelmeer). Unter kemalistischer Tradition war die säkulare Türkei früher die Brücke zwischen Europa und Nahost. Unter der despotischen AKP-Herrschaft des neuen autokratischen Sultans Erdogan ist die Türkei nicht mehr jene Brücke, sondern ein Auslöser von Polarisierung. Ich habe in meinen Jahren als Gastprofessor an der türkischen Elite-Universität Bilkent in den Jahren 1995-98 die Geschehnisse in dem dort geschriebenen Buch verfolgt:

Zum Abschluss dieser 2015-Einleitung zu meiner Homepage merke ich an, dass ich seit 2009 keine Bücher mehr in deutscher Sprache schreibe. Zwischen 1969 und 2009 veröffentlichte ich dreißig deutsche Bücher. Parallel dazu von 1980 bis 2014 veröffentlichte ich elf Bücher in den USA, die ich auf Englisch (vgl. die entsprechende Sektion auf meiner Homepage) geschrieben habe. Ich hoffe, dass ich in den verbleibenden Jahren meines Lebens miterleben kann, dass meine Bücher zur Information und Aufklärung beitragen, deswegen habe ich diese Seiten geschrieben, um zu motivieren und die Lektüre anzuregen. Viele dieser Bücher sind vergriffen und werden zu meiner tiefen Trauer (vgl. die autobiographische Skizze) nicht nachgedruckt. Glücklicherweise können sie dennoch über das Internet als Gebrauchtexemplare bzw. als neue Rest-Exemplare erworben werden.